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Chronik KCO Teil 1/3 1939 - 1969

Vorwort
Diese Chronik wurde 1999 zum 60-jährigen Bestehen des KCO niedergeschrieben und es wurden Unmengen an Zeit und Herzblut in diese Aufgabe investiert. Stellvertretend für alle beteiligten Personen möchte ich mich an dieser Stelle bei unserem Elferrats-Ehrenmitglied Alfons Dietz als Hauptinitiator der Chronik im Namen des KCO bedanken. Leeve Alfons, häste prima hinkrije!
Viel Spass beim Lesen.
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Teil 1 von 3: 1939 bis 1969

Aus der Geschichte des »Owezessene Fastelovends«


Genau läßt sich heute nicht mehr feststellen, wann die Oberzissener ihr Herz für den »Fastelovend« entdeckt haben. Dem KCO liegen Bilder aus den 30er Jahren vor. Leider waren keine Zeitungen mehr zu finden, die den genauen Zeitpunkt und den Hergang beschreiben konnten. Da auch keine schriftlichen Aufzeichnungen vorliegen, haben wir uns auf das Jahr 1939 als das Gründungsjahr des Oberzissener Karnevals geeinigt. Es ist das Jahr, in dem Oberzissen erstmals von einem Prinzenpaar, Prinz Hermann I. Hilger und Prinzessin Lena (Vogl/Jeub) während der Fastnachtstage regiert worden ist.

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Nach der Befragung von Zeitzeugen gab es nur den Straßenkarneval. Den Umzug durch das Dorf nutzten die Karnevalisten besonders dazu, die Ereignisse vor den Häusern darzustellen, in denen im vergangenen Jahr etwas »Besonderes« geschehen war. Natürlich war das nicht immer zur Freude der Betroffenen. Heute würde man sowas eine gespielte »Bierzeitung« nennen.
Leider machten die Nazis dem Karneval und auch dem gesamten Vereinsleben ein Ende, so daß erst zu Beginn der 50er Jahre neues Leben die Vereine erfüllte.
Die Junggesellen bemühten sich schon Ende der 40er Jahre darum, den Junggesellenverein wieder aufleben zu lassen. Stellvertretend für viele sei

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hier Alfred Dedenbach genannt, vielen besser bekannt als »Kobese-Frett«, der die Formularien mit der französischen Verwaltung erledigte. Eben diese Junggesellen waren es auch, die den »Owezessene Fastelovend« neu belebten. Bald war das erste Prinzenpaar gefunden, so daß ein Umzug durch Oberzissen organisiert werden konnte. Männer dieser »ersten« Stunde waren neben Alfred Dedenbach noch Gerhard Gensler, Richard Groß und Willi Breuer (Hampittesch Will). Prinz »Helmutius Barbutius von und zu Sauerburanien« (Helmut Weidenbach) und Prinzessin Agnes (Nuppeny/ Bell), ließen sich in einer Kutsche beim Umzug durch das Dorf von ihren Untertanen feiern. Begleiter des Prinzenpaares waren uniformierte Junggesellen als Stadtsoldaten. Außer der Kutsche mit dem Prinzenpaar nahmen die Junggesellen gleich mit zwei Fastnachtswagen am Umzug teil. Ein Wagen lief unter dem Motto »Wir werden das Kind schon schaukeln«. Neben Pferden wurden auch Kühe und Ochsen als Zugtiere für die Prunkwagen eingesetzt.
Trotz des guten Starts bedurfte es doch noch einiger Jahre, bis der Rosenmontagszug seinen festen Platz im Karnevalstreiben hatte. Maskenbälle und Kappensitzungen waren sehr schnell etabliert. Als Ideengeber und Antreiber der damaligen Zeit gilt der Junggesellenverein, bis sich Ende 1953 ein Karnevalskomitee zusammenfand, daß zukünftig den »Fastelovend« organisierte.
Die Prinzensuche war die Aufgabe einiger »Obernarren«. Aber an den kalten Wintertagen brauchten sie eine warme Bleibe, um ihre Pläne zu schmieden, die fanden sie in der Schreinerei von Hermann Hilger. So war es nicht verwunderlich, daß, nachdem ein Prinz gefunden war, eine Prinzessin aus dem Hause Hilger auserkoren wurde.
Vater Hermann, der erwählte Prinz und die Obernarren machten die Sache perfekt. Die Prinzessin ließ man in Unkenntnis; allerdings sorgte Papa Hermann für eine passende Robe. Beim Maskenball anläßlich der »Alten Kirmes« lüftete man das Geheimnis: Nach einem kräftigen Läuten mit einer Handglocke erfolgte die Proklamation des Prinzen Toni I. (Mauer) und der überraschten Prinzessin Hilde I. (Krischer/Hilger).
An Rosenmontag fuhr das Prinzenpaar hochoben auf einer Burg durch das närrische Oberzissen. Dem Fastnachtskomitee gehörten die Herren Hans Wulf (Präsident), Johann Bell, Johann Schütz, Josef Friedsam, Johann Durben, Heinrich Schumacher, Matthias Hilger, Hubert Mahlberg, Willi Breuer, Simon Meid und Johann Scheuer an.
Das Fastnachtskomitee war sehr rührig und bestrebt, für die neue Session wieder ein Prinzenpaar vorstellen zu können. Was lag näher, als sich wie-

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der in der Schreinerei Hilger zum Pläneschmieden zu treffen. Die Zeiten waren noch nicht so rosig, und das war der Grund, weshalb sich die Obernarren zwei verschiedene Häuser aussuchten, die Prinz und Prinzessin stellen sollten. Damit blieben die Kosten für Kostüme, Prinzenwagen, Wurfmaterial, sowie Essen und Getränke für den Hofstaat und das Fastnachtskomitee tragbar.
Diesmal fiel die Wahl auf Norbert Scheuer. Zu seiner Prinzessin wurde Marga (NaumannlHilger) ernannt, die es ihrer Schwester Hilde gleichtun wollte. Die Bekanntgabe der Regenten erfolgte wieder beim traditionellen Maskenball anläßlich der »Alten Kirmes«,
Bei naßkaltem Winterwetter ließ sich das Prinzenpaar Norbert I. und Marga I., hochoben in einem Weinfaß thronend, durch Oberzissen fahren. Nach dem Umzug traf man sich zum Narrentreiben im Saale von Peter Scheuer. Büttenredner traten auf, die besonders das Dorfgeschehen auf ihre Art beleuchteten.
Fast wäre es ein Jahr ohne Prinzenpaar geworden, weil der ausgesuchte Prinz es trotz aller Bemühungen seitens des Vereins nicht werden durfte. Doch die Fastnachtsjecken wußten sich zu helfen. Aus ihren eigenen Rei-

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hen ernannten sie Johann I. (Münk) zum Prinzen und Alwine I. (Jahns/Breuer) wurde seine Prinzessin.
Im Rosenmontagszug, der von sehr viel Schnee begleitet war, fuhr das Prinzenpaar in einem großen Schwan durch Oberzissen. Ein großes Wappen zierte den Wagen und zeigte neben der Olbrück zwei sich überkreuzende Birkenbesen (Owezessene Bessemsmächer) und einen Weinpokal, der an den über Jahrhunderte andauernden Weinanbau hinwies. Im Anschluß an den Rosenmontagszug trafen sich alle Narren im Saal von Hermann Dünker zu einer Kappensitzung, die Hans Wulf als Präsident leitete.
Wegen der gestiegenen Kosten und der immer weniger werdenden Bereitschaft der Bevölkerung, den Oberzissener Karneval zu unterstützen, schlief das Fastnachtstreiben zwischen 1957 und 1960 fast ganz ein. Dann gingen einige Mitglieder des Junggesellenvereins und die Altkarnevalisten Peter Faßbender und Peter Orth 1961 das Thema neu an. Weil in Oberzissen kein Rosenmontagszug mehr ging, bauten sie einen Wagen für den Umzug in Niederzissen. Das Thema war ein Panzer, Franz-Josef Strauß war Verteidigungsminister. Daher die Aufschrift: »Straußens Brotkasten«. Eine Feldküche auf dem Einachser von Heinrich Dietz mit dem Koch Peter Faßbender komplettierte das Thema.
Der Panzer wurde auf und um den Traktor von Simon Meid in der Halle unter dem Wohnhaus gebaut. Das ließ einige Erzkarnevalisten wie Nikolaus Schaup, Willi Breuer, Herbert Esten und Heinrich Dietz nicht ruhen, und so fand am Veilchendienstag auch in Oberzissen ein kleiner Umzug statt. Mit dabei waren natürlich Panzer und Feldküche. Von einem mit Latten und bunten Bändern geschmückten Wagen trug Heinrich Dietz die Bierzeitung vor. Mit auf dem Wagen die örtliche Blaskapelle unter der Leitung von Josef Dahm, die für die passende Musik sorgte. Peter Orth, als Hauptmann der Truppe, und Herbert Bell nahmen auf der Bachstraße die Parade der Soldaten ab.

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1962 war das Thema die Brohltalbahn. Man hatte aus dem Traktor von Simon Meid eine Lokomotive gebaut, die noch zwei Personenwagen und einen Gepäckwagen zog. Es war gut, daß in den vergangenen Jahren wieder viele Oberzissener Freude am Fastnachtstreiben gewonnen hatten, denn für Lokomotive und drei weitere Wagen wurden viele hilfreiche Hände gebraucht. Als Schaffner zeigten sich Peter Orth mit seinem Lehrling Herbert Faßbender. Der Fahrkartenverkauf brachte ca. 140,00 DM ein.
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Die nicht geplanten Einnahmen erhielt Pfarrer Wiebel für die Kirche. Beim Umzug in Niederzissen konnte dann die Brohltalbahn ersteigert werden. Neben dem »Reichen« Peter Faßbender bot ein Scheich (Willi Dünker) mit, der nicht zu überbieten war.Angespornt durch den großen Erfolg mit der Brohltalbahn im Vorjahr sollte 1963 wieder ein Rosenmontagszug stattfinden. Aber die Obernarren taten sich etwas schwer damit. Deshalb beriefen sie etwa eine Woche vor Fastnacht eine Versamm-

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lung aller interessierten in die Gaststätte Busar »Auf dem Berg« ein. Dabei meldete sich nach längerer Diskussion Willi Dünker zu Wort: »Wenn ihr mir einen schönen Prinzenwagen baut, mache ich mit meiner Tochter Marlene Prinz und Prinzessin.« Tatsächlich stand am Rosenmontag bei herrlichem Winterwetter ein prächtiger Prinzenwagen, der den Bur darstellte, für das Prinzenpaar bereit. Neben dem Bau des Wagens nähte der Prinz mit seiner Tochter fast Tag und Nacht, damit das Prinzenkostüm, das Prinzessinnenkleid und die Kostüme für sechs Pagen fertig wurden. Wie in den Jahren zuvor baute man den Wagen wieder bei Simon Meid. Im gleichen Jahr begann der Neuaufbau der Stadtsoldaten. Alois Hilger, Peter Orth und Rudi Weinand waren die ersten Begleiter des Prinzenpaares.

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Ermutigt durch die inzwischen rege Beteiligung der Oberzissener Bevölkerung entschlossen sich die Organisatoren einen Karnevalsausschuß zu bilden. In der Gastwirtschaft Busar auf dem Kirchberg war am 23.02.1964 die konstituirende Sitzung. In den Ausschuß gewählt wurden: Als Vorsitzender Herbert Bell, Gerhard Meid, Peter Faßbender, Franz-Josef Weidenbach, Richard Groß, Günther Schmittgen, Heinrich Dietz und Peter Orth.
Aus gegebenem Anlaß ließ man bei den zu beschließenden Bestimmungen große Vorsicht walten. Am Rosenmontag fuhren bei angenehmen Temperaturen das Prinzenpaar, Prinz Herbert I. (Bell) und Prinzessin Edeltrud I. (WiIheImi/Radermacher) auf einem als Gondel gebauten Prinzenwagen durch Oberzissen. Die Junggesellen hatten unter Mithilfe von Jochen Prinz auf dem Traktor von Simon Meid ein großes U-Boot gebaut. Weitere Prunkwagen, Fußgruppen und Musikkapellen stellten ein sehr schönes Gesamtbild dar.
Die Prinzensuche ist alljährlich von einem großen Geheimnis umgeben, so auch 1965. Richard Groß, vielen besser bekannt als »Kaule Rich«, einer der seinerzeit aktivsten Narren im Oberzissener Fastelowend, kannte die Art der Suche aus den 50er Jahren. Zunächst hielt er nach einem Prinzen Ausschau. War der dann gefunden, mußte die passende Prinzessin ausgesucht und überzeugt werden. So fand er mit Alois(Dahm) den geeigneten Prinz. Beide hatten dann sehr schnell ihre Prinzessin gefunden, Roswitha I. (Felten / Reuter). Man machte die Sache perfekt, und die Bekanntgabe an die Öffentlichkeit erfolgte im Rahmen des Maskenballs am Fest der »Alten Kirmes« auf dem Saale Dünker. Bis zu diesem Termin blieb alles ein Geheimnis.

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Der Bau des Prinzenwagens mußte nun schnell erfolgen, denn bis Rosenmontag blieb nicht allzuviel Zeit. Auf einen passenden Anhänger wurden Glückssymbole gebaut, beim Umzug stand das Prinzenpaar in einem großen Glückswürfel. Den Hintergrund bildete ein riesiges Kleeblatt. Um 20.11 Uhr hielt das Prinzenpaar mit Stadtsoldaten und Fastnachtskomitee seinen Einzug auf Dünkers Saal.

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Bis zu diesem Zeitpunkt war immer ein Prinzenpaar gefunden worden, trotz aller Anstrengungen gelang das aber für 1966 nicht. Die Verantwortlichen kamen zu der Überzeugung, zukünftig nur alle zwei Jahre einen Fastnachtszug zu veranstalten. Sollte kein Prinzenpaar gefunden werden, mußte ein Vorstandsmitglied diese Aufgabe übernehmen. So kam es, daß Heinrich I. (Dietz) mit seiner Tochter Renate I. (Fülbier) zum Prinzenpaar erwählt wurden. Damit traf es einen aus dem Vorstand, der besonders vor den steigenden Kosten für das jeweilige Prinzenpaar gewarnt hatte. Der finanzielle Aufwand schien das größte Hindernis für die Übernahme einer Regentschaft zu sein. Prinz Heinrich I. machte dann sehr deutlich vor, daß Freude und Frohsinn, aus dem Herzen kommend, vom Narrenvolk genau so dankbar angenommen werden. Als Motiv für den Prinzenwagen diente ein großer Schirmpilz, in dessen Mitte das Prinzen¬paar stand, umgeben von kleinen, als Zwerge verkleideten Kindern.
Erstmals in der Vereinsgeschichte suchte der Vorstand ein Kinderprinzenpaar. Durch Losentscheid unter Aufsicht der Lehrerin, Frau Katharina Jüliger aus der Schule Hain, fiel die Wahl auf Horst I. (Nürenberg) aus Hain und Christa I. (Vief) aus Oberzissen. Die Eltern gaben ihre Zustimmung und so fuhren beide in einem Wagen, der eine Krone darstellte, im Rosenmontagszug mit. Zwei Pferde zogen den Wagen, den Heinrich Weber lenkte. Die Stadtsoldaten zeigten sich erstmals in ihren neuen Uniformen.
Die Weichen für die Session 1969 waren gestellt. Ein Prinzenpaar war gefunden, alles lief seinen gewohnten Gang. Doch als die Fastnacht näher rückte, machte der Prinz einen Rückzieher. Allerdings sorgte er für einen mehr als gleichwertigen Ersatz. So kam es, daß Oberzissen vom jüngsten Prinzenpaar seiner Geschichte regiert wurde. Prinz Alois II. und Prinzessin Margret I. (Ehepaar Hilger) zeigten sich im Rosenmontagszug in einem Römerstreitwagen den begeisterten Närrinnen und Narren. Diese geschichtsträchtige Aufmachung stand Prinz Alois II. gut zu Gesicht, war er doch einer der ersten Stadtsoldaten im Jahre 1963.

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Fortsetzung im 2. Teil



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